LANUV-Potenzialstudie Erneuerbare Energien


Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) führt seit 2011 eine Potenzialstudie zu den Erneuerbaren Energien in Nordrhein-Westfalen durch. Durch fundierte Analysen werden der aktuelle Bestand sowie umweltverträgliche Potenziale für die unterschiedlichen Energieformen auf regionaler Ebene ermittelt.

Allen Potenzialstudien gemeinsam ist die dreistufige Herangehensweise: 

  1. Darstellung des aktuellen Anlagenbestandes,
  2. Ermittlung von energetischen Potenzialen auf Ebene der Verwaltungseinheiten NRWs (Land, Regierungsbezirk, Planungsregion, Kreis und Gemeinde),
  3. Bereitstellung von Ergebnissen und Grundlagendaten im FIS Energieatlas NRW.

Um die Akzeptanz der Ergebnisse zu erhöhen, werden alle Potenzialstudie von einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) begleitet, die sich aus Experten aus dem wissenschaftlichen und behördlichen Bereich sowie aus unterschiedlichen Interessensgruppen zusammen setzen.

Die Untersuchungen zu vielen Energieformen sind bereits abgeschlossen (beispielsweise Wind- und Solarenergie oder Geothermie) und als Fachberichte veröffentlicht. Momentan in Bearbeitung befinden sich die Studien zu warmen Grubenwasser und industrieller Abwärme.

Wenn Sie ein Druckexemplar der Fachberichte erwerben möchten, wenden Sie sich an den LANUV-Publikations-Shop. Es werden 10 € pro Fachbericht erhoben. Als PDF stehen die Fachberichte kostenfrei zum Download zur Verfügung. 


Potenzialstudien zu Strom

Im Rahmen der Potenzialstudie Windenergie wurden alle landesweit verfügbaren Grundlagendaten gesammelt, die bei der Planung und Ausweisung von Flächen für die Windenergie laut Windenergie-Erlass NRW und weiterer Regelungen von Bedeutung sind. Darüber hinaus wurden Windfelder in den Höhen 100, 125, 135 und 150 m über Grund berechnet und mit den Erträgen bestehender Windenergieanlagen validiert. Die Grundlagenkarten werden in der Karte Planung Wind bereit gestellt. Für die Potenzialanalyse sind Grundlagendaten, Windfelder sowie eine schalloptimierte Berechnung in eine GIS-gestützte Flächenanalyse eingeflossen. Die Flächen- und Ertragspotenziale wurden für drei Szenarien ermittelt, die sich jeweils im Grad des Einbezugs der Waldflächen unterscheiden.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass auf Freiflächen außerhalb des Waldes potenziell 48 TWh/a Windstrom generiert werden (NRWalt-Szenario) können. Unter Hinzunahme der Nadelwaldflächen und der Kyrill-Windwurfflächen (NRW-Leitszenario) erhöht sich die potenzielle Stromproduktion auf  71 TWh/a. Bei zusätzlicher Nutzung der Laub- und Mischwälder (NRWplus-Szenario) auf 83 TWh/a. Würden die Potenziale des Leizszenarios umgesetzt, könnte theoretisch der Bruttostromverbrauch von NRW etwa zur Hälfte gedeckt werden.

Durch die NRW-Landtagswahl in 2017 haben sich die Rahmenbedingungen zur die Windenergie in NRW geändert. Darum arbeitet das LANUV an einer Aktualisierung der Windpotenziale.


In der Potenzialstudie Wasserkraft wurde landesweit das noch ungenutzte Wasserkraftpotenzial an bestehenden Querbauwerken unter Berücksichtigung der Belange der Gewässerökologie und des Fischschutzes ermittelt. Dabei wurde in einem „maximalen Szenario“ ein ungenutztes Erzeugungspotenzial von 107,9 GWh/a an 128 Querbauwerken identifiziert (davon 35 Repoweringstandorte). In einem „minimalen Szenario“, in dem weitere, nicht abschließend zu klärende ökologische Aspekte berücksichtigt wurden, verbleibt noch ein ungenutztes Potenzial von 59,8 GWh/a an 54 Standorten.

In Nordrhein-Westfalen wird derzeit bereits ein großer Anteil des gesamten Wasserkraftpotenzials genutzt. Dennoch macht es Sinn, den Ausbau der bisher noch ungenutzten Wasserkraftpotenziale zu unterstützen, vor allem an potenziellen Standorten für besonders große Anlagen oder bei dem Repowering bereits bestehender Anlagen. Die Wasserkraftnutzung ist eine ausgereifte Technik mit relativ hohen Wirkungsgraden, die durch eine meist relativ gleichmäßige Stromerzeugung im Gegensatz zur Wind- oder Solarenergie auch den Einsatz als Grundlastkraftwerke ermöglicht.

Darüber hinaus wurden in der Studie auch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserkraftnutzung in NRW sowie das Potenzial von kinetischen Strömungsmaschinen und der Wasserkraftnutzung an Infrastruktureinrichtungen betrachtet.


Der wachsende Anteil regenerativer Energien bedeutet auch eine Herausforderung für die Versorgungsnetze: Einerseits kann es beispielsweise vorkommen, dass das Stromnetz an besonders windstarken Tagen die gesamte Menge der erzeugten Windenergie nicht mehr vollständig aufnehmen kann und somit Anlagen abgeregelt werden müssen. Andererseits muss auch in einem zukünftigen Strommarktdesign die Versorgungssicherheit in Zeiten gewährleistet sein, in denen die Erzeugung aus Erneuerbaren Energien die Nachfrage nicht deckt.

Die »Potenzialstudie Pumpspeicherkraftwerke NRW« untersucht das Gesamtpotenzial für neue Pumpspeicherkraftwerke im Land und zeigt damit Chancen auf, wie der zukünftige Flexibilisierungsbedarf auf dem Weg zu einer nahezu vollständig auf Erneuerbaren Energien beruhenden Energieversorgung realisiert werden könnte. In der Studie wurden zunächst technisch geeignete Standorte identifiziert, die in einem zweiten Schritt an Hand ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Faktoren auf ihre Machbarkeit hin geprüft wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass es grundsätzlich ein großes Potenzial zum Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken im Land gibt.


Potenzialstudien zu Strom und Wärme


Die Solarenergiepotenziale wurden auf Basis hochaufgelöster Laserscandaten und detaillierter Strahlungssimulation analysiert. Für die Dachflächen wurden 24 Modellgebiete flächenscharf untersucht und die Ergebnisse anschließend auf die Gemeinden in NRW hochgerechnet. Für die Analyse potenzieller Photovoltaik-Freiflächenstandorte wurden die Flächen in NRW, die nach dem damals geltenden Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) förderungsfähig sind, betrachtet. Die Grundlagenkarten zur Ermittlung von Flächenpotenzialen für die Freiflächen-Photovoltaik sind unter Karte Planung Solar eingestellt. Ebenfalls dort abgelegt sind verschiedene Potenzialkarten sowie eine Karte zu vorhandenen Solardachkatastern in den Gemeinden NRWs. Die Potenziale der Solarthermie sind in das Wärmekataster eingeflossen.

Die Studie zeigt, dass bei einer Ausschöpfung aller geeigneten Flächen Photovoltaik mit einer installierbaren Leistung von ca. 87 GWp und einem jährlich zu erwartenden Stromertrag von etwa 72 TWh zur Stromversorgung NRW’s beitragen könnte. Damit ließen sich über 50 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in NRW abdecken und mehr als 100 Prozent des Stromverbrauchs der privaten Haushalte. Dachflächen liefern dazu einen möglichen Stromertrag von 39 TWh (53 Prozent des gesamten Potenzials), Freiflächen von 33 TWh (47 Prozent des gesamten Potenzials).

Das LANUV arbeitet zur Zeit an einem landesweiten Solardachkataster. Dieses Kataster wird die Solarenergiepotenziale von 2012 noch einmal aktualisieren und konkretisieren.


Die Potenzialstudie Bioenergie steht seit September 2014 der Öffentlichkeit zur Verfügung. Viele Potenzialkarten aus der Studie stehen unter der Karte Planung Biomasse zur Verfügung. Auch in das Wärmekataster im Energieatlas sind die Karten integriert.

Die Studie beschreibt die Potenziale aus Land-, Forst- und Abfallwirtschaft unter Berücksichtigung der Aspekte Umweltverträglichkeit und Nutzungskonkurrenzen in verschiedenen Szenarien. Anders als bei der Wind- und Solarenergie werden in NRW im Bereich der Biomasse bereits große Anteile der vorhandenen Potenziale energetisch genutzt. Trotzdem bestehen noch Ausbaupotenziale, die unter nachhaltigen und naturverträglichen Bedingungen erschlossen werden können.

Das NRW-Leitszenario weist ein technisch machbares Biomasse-Potenzial von 31,9 TWh/a aus - dabei entfallen 8,4 TWh/a auf Strom und 23,5 TWh/a auf Wärme. Bestehende Biomassekonversionsanlagen in NRW produzieren hiervon bereits etwa die Hälfte. Im Wärmesektor wird die produzierte Energie allerdings häufig nicht genutzt. Um die Biomasse effizient zu verwerten, sollte darauf hingearbeitet werden, diese Wärmeenergie über Nah- und Fernwärmenetze zu erschließen. Weitere Schwerpunkte sieht die Studie in der Effizienzsteigerung bestehender Anlagen, die energetische Verwertung von Abfällen und Wirtschaftsdüngern sowie der Kaskadennutzung. Die Ausbaupotenziale in der Land- und Forstwirtschaft sollten unter qualitativen und nachhaltigen Gesichtspunkten erschlossen werden.


Potenzialstudien zu Wärme


Die Potenzialstudie Geothermie wurde im April 2015 als erste reine Wärmepotenzialstudie veröffentlich. Mit der Studie wurden die wärmetechnischen Potenziale der oberflächennahen Geothermie berechnet. Dabei wurde sich auf die Nutzung durch Erdwärmesonden und einer maximalen Erschließungstiefe von 100 m beschränkt.

Es wurden zunächst die Freiflächenanteile jedes Grundstücks in NRW mit Hilfe eines geographischen Informationssystems ermittelt sowie die technisch nutzbaren geothermischen Potenziale unter Annahme verschiedener Randbedingungen berechnet. Anschließend wurde durch Bezug auf den Wärmebedarf der Gebäude das technisch nutzbare geothermische Potenzial grundstücksscharf ausgewiesen. Auf der einen Seite ergibt sich so die geothermische Ergiebigkeit auf Grundlage des Flächendargebots, der Untergrundeigenschaften, des klimatischen Einflusses und etwaiger Restriktionsbestimmungen. Auf der anderen Seite wird das Gebäude entsprechend seiner Größe und Nutzungsart als Wärmesenke definiert.

Unter den getroffenen Annahmen ergibt sich ein Wärmebedarf von 271,1 TWh/a für alle Gebäude in NRW. Dem gegenüber steht ein technisch nutzbares geothermisches Potenzial von 153,7 TWh/a im Szenario A (mit Wasserschutzgebiet III, IIIa, IIIb und IIIc) und 141,3 TWh/a im Szenario B (ohne Wasserschutzgebiet III, IIIa, IIIb und IIIc). Somit ergibt sich für ganz NRW ein prozentualer Deckungsanteil von 57 Prozent im Szenario A und 52 Prozent im Szenario B. Dies bedeutet, dass über die Hälfte des Wärmebedarfs der Gebäude über die oberflächennahe Geothermie mittels Erdwärmesonden gedeckt werden kann.